Weithin leuchtend - tief unter der Erde strahlend: das Zentrum für Internationale Lichtkunst
Das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna ist das weltweit erste und einzige Museum, das sich ausschließlich der Lichtkunst widmet. Ende Mai 2001 in der ehemaligen Lindenbrauerei Unna eröffnet, findet die Lichtkunst hier eine Präsentationsfläche, wie sie faszinierender und wirkungsvoller nicht sein könnte: Weithin sichtbar durch seinen 52 Meter in den Himmel ragenden Schornstein bietet sich dieser zeitgenössischen Kunstform tief unter der Erde eine Fläche von insgesamt 2.400 Quadratmetern. Die labyrinthischen Gänge, Kühlräume und Gärbecken dieser einstigen Braustätte, in der zwischen 1852 und 1979 das traditionsreiche Linden-Adler-Pils gebraut wurde und die heute zu den insgesamt 25 so genannten Ankerpunkten der "Route der Industriekultur" zählt, werden nun künstlerisch inszeniert und in neue Bedeutungshorizonte überführt.
Die in den 1960er Jahren entstandene Lichtkunst, die Auseinandersetzung mit vorwiegend künstlichem Licht, ist eine relativ junge Kunstgattung. Ihre Wurzeln reichen jedoch weit zurück: Seit der in der Renaissance entwickelten Zentralperspektive ist die Geschichte der westlichen Kunst auch die Geschichte einer veränderten Raum- und Lichtauffassung. Und verließen die Impressionisten ihr Atelier, weil sie das Licht als Gestaltungselement entdeckten, rücken die LichtkünstlerInnen der Gegenwart das Licht an sich in den Mittelpunkt ihres Schaffens. Licht dient nicht mehr der Interpretation oder Illustration von etwas Anderem, sondern wird selbst zum künstlerischen Medium.
Seit die technischen Neuheiten in der Leuchtröhren- und Lichtindustrie schließlich Eingang in das künstlerische Vokabular gefunden haben, ist die Lichtkunst heute neben der Malerei, Plastik oder der Fotografie eine eigenständige Kunstgattung. Dennoch konzentriert sich bisher kein Museum allein auf die Lichtkunst. Erst das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna schließt diese Lücke und füllt die historischen Gemäuer der ausgedienten Lindenbrauerei mit neuen Sinnebenen und Ausdrucksformen. Neben der Präsentation ambitionierter Dauer- und Wechselausstellungen versteht sich das neue Haus als Forum für Diskussionen, Symposien, Tagungen und Workshops zum Thema Licht.
Inzwischen haben zwölf der international renommiertesten LichtkünstlerInnen eine eigens für den Gewölbekeller des Unnaer Industriedenkmals erarbeitete Installation dauerhaft eingerichtet: Mario Merz, Joseph Kosuth, James Turrell, Mischa Kuball, Rebecca Horn, Christina Kubisch, Johannes Dinnebier, Keith Sonnier, Jan van Munster, François Morellet, Christian Boltanski und Olafur Eliasson.