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Aktuelles
James Turrell: Geometrie des Lichts
01.02.2009 bis 31.05.2009

- Roden Crater Model, 2009
Der 1943 in Los Angeles geborene James Turrell ist der einflussreichste Lichtkünstler der Gegenwart. Seit den 1960er Jahren widmet er sein gesamtes künstlerisches Schaffen der Auseinandersetzung mit den vielfältigen Erscheinungsformen des natürlichen und Künstlichen Lichts. In seinen Werken verdichten sich Licht und Raum zu Erfahrungsprozessen, die die Grundbedingungen ästhetischer Wahrnehmung reflektieren. Anlässlich der Eröffnung der neuesten Dauerinstallation "Third Breath" für das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna führte die Ausstellung "James Turrell – Geometrie des Lichts" ausgewählte Werke zusammen, die modellhaft wichtige Positionen seines Lebenswerkes benannten.
Seit 1974 baut Turrell in der Wüste von Arizona einen erloschenen Vulkan, den Roden Crater, zu einem Himmelsobservatorium aus. Im Innern des Kraters entstehen Wahrnehmungsräume, die auf das kosmologische System ausgerichtet sind und unter anderem die Wahrnehmung der Sommer- und Wintersonnenwende erlauben. Die Ausstellung präsentierte neben Fotografien des Ortes ein großflächiges Modell dieses sich majestätisch erhebenden Vulkankegels, an dessen Fuß sich Überreste einer Hopi-Indianer Siedlung befinden. Eine interaktive Animation gab erstmals Einblicke in die Innenwelt des Kraters. Die Entstehung des Roden Crater-Projekts ist eng verbunden mit dem Konzept der Skyspaces und damit auch mit der Installation "Third Breath“, die sich aus einem Skyspace und einem Camera Obscura Space zusammensetzt.
Die Ursprünge des Lebenswerkes Roden Crater und von "Third Breath" liegen in den Jahren 1966-74, in denen James Turrell in seinem Atelier bei vollständig verdunkelten Räumen mit künstlichem Licht Eck- und Wandprojektionen realisierte. 1989/90 übertrug Turrell diese ersten Versuche, das ungreifbare Phänomen Licht in einer systematischen Untersuchung der Verbindung von Raum und Licht fassbar zu machen, in die zweidimensionale Ebene. Die Ausstellung zeigte Werke aus der Aquatinta Serie "First Light", die die hohe Lichtempfindlichkeit des druckgraphischen Mediums nutzt, um in subtilen Schattierungen die hohe räumlich-skulpturale Dimension dieser Lichtexperimente zu spiegeln. Das ausgestellte Hologramm aus 2004 verdichtet diese Verwebung von Licht, Raum und Fläche.
Ab Ende der 1980er Jahre inszeniert James Turrell in mobilen Wahrnehmungszellen die Begegnung mit dem Licht als eine für jeden einzelnen Betrachter physisch direkt zu erfahrende räumliche Situation. In unterschiedlichen Szenarien isoliert er die Besucher von ihrer Umgebung und lässt sie unmittelbar in das Licht eintauchen. Eigens für die Ausstellung rekonstruiert, ermöglichte der 1989 entstandene Wahrnehmungsraum "Alien Exam" dieses persönliche Experiment. Auf einer beweglichen Liege ruhend, absolvierten die Besucher ein „extraterrestrisches Examen“, während sie in eine mit wechselnden Lichtphänomenen bespielte Lichtkuppel schauten.
Die jüngste Entwicklung im Werk von James Turrell war durch eine Arbeit aus der Serie "Tall Glasses" präsent. Sie konfrontierte den Betrachter mit klar ausgeschnittenen Lichtflächen, deren wechselnde Farbmodulationen ein Spannungsfeld etablierten, das die Betrachter als Wechselspiel von Begrenzung und Entgrenzung erfuhren, dem gegenüber sie sich visuell und körperlich immer wieder neu definieren mussten. Diese Werke stehen für die derzeit aktuellste Entwicklung einer singulären künstlerischen Position, die der Kunst der Gegenwart neue Dimensionen der Wahrnehmung zwischen Realität und Virtualität erschlossen hat.





